Bewegte Körper


François Glineur besinnt sich in einem neuen Zyklus von Zeichnungen auf die Reduktion - und auf den Menschen.


Unzählige Körper in Bewegung. Schreitend, hüpfend, posierend, agierend. François Glineur überrascht heuer mit Zeichnungen anderer Art. Hat man vom jungen Franzosen bisher comichafte, blattfüllende Zeichnungen und Malerei gesehen, so präsentieren sich die aktuellen Strichmännchen auf reinweissem Grund als neue Seherfahrung.


Mardi, jeudi, vendredi, samedi - Wochentage bilden die Titel der einzelnen Blätter. Wochentage, die auf den jeweiligen Schaffenstag verweisen, jenen Tag, als ein dringliches Bedürfnis dem Künstler ein bestimmtes Motiv aufdrängte. Der Zeitraum während der Olympiade beispielweise, motivisch ins Bild gebracht vom Fackelträger über den Läufer bis zum - Feuerspeier? Keine Disziplin, an die man sich erinnern kann, doch diesem Zyklus hier zugehörig und ein Hinweis auf des Künstlers Sinn für Humor.


Körpersprache. Sportanlässe eignen sich für Glineurs neuestes Projekt hervorragend, denn der Franzose erkundet in Pastellfarbe auf Papier den Körper von Mann und Frau mit intensivster Genauigkeit. Reduziert auf dynamisch hingeworfene Striche wirken seine Figuren wie Modelle, an denen er alle Positionen austestet, die im Rahmen des menschlichen Organismus möglich scheinen. Leben erhalten sie durch aufgeklebte Papierschnipsel, die wie die übrig gebliebenen farbigen Fetzen alter Bilder wirken. Veritable Körper aus Modulen: Was Glineur zuerst in Gedanken seziert hat, wird im Bild aus den einzelnen Fragmenten wieder zu einem Ganzen (re-)konstruirt. Beispielhaft.


Karen N. Gerig in Basler Zeitung vom 18. November 2004