oder Lieder des verbotenen Körpers
Diese Fetische, in stetem Kampf den schmerzenden Abgründen meiner lebhaften Erinnerungen entrissen, sind die Spuren meines Umherziehens, die Unent-schlossenheit meiner Füsse im Wüstensand, mein inneres Abbild, meine Identität, besser erkennbar als die, die man sucht beim Betrachten des Photos auf der kleinen Plastikkarte, die vorgibt meine wirkliche Geburt zu bestätigen. Meine 40 Jahre sind fester verknüpft mit ihren Fäden, ihren Verknotungen denn mit dem Tag des ersten Schmerzenschreis meiner Geburt.
Sie sind zugleich ein Schrei der Wut gegen die Gewalt eines zunehmenden Rassismus, der das Anders-Sein verbannt, die Marginalität sanktioniert, die Sexualität knebelt, gegen die Gewalt einer Gesellschaft, die Kunst in pompeuse öffentliche Kulturzentren abschiebt und an der Börse notiert. Aber sie sind mehr noch ein Schrei der Liebe - nicht der naive oder arglose Schrei eines Künstlers, der an das Gute im Menschen glaubt - NEIN, ein Schrei der Liebe um nicht an dem Ekel zu krepieren, den diese Welt mir vorsetzt.
leben
gehäutet
gierig
Frau, streitend, mir nicht Körper, Sprache, Frau-Sein verbieten lassen, lebend, nicht nach den Ansichten der Götter fragen, nicht dem Schlaf der Gleichgültigkeit anheim fallend, mich nicht einlullen lassen. Was mich ängstigt ruft nach mir, und auf diese Angst, auf diese Unbequemlichkeit des ewig Unbekannten gründet sich mein künstleriches Schaffen.
Meine Diplome sind lächerlich, ich will nichts mehr damit zu tun haben. Ich bin nicht mehr, als das, was ich in die Welt setze. Frau, Chamäleon auf dem Seil, kleine un- geschickte Schwester von Catherine Pozzi, Ionesco, Benjamin Peret, Jean Genet und Giacometti, Aristo-Bastard, in einer Welt, in der die Bourgeoisie die Leidenschaft verwünscht. Frau, die sich in schamloser Nackheit an den Wänder zeigt, auf der Strasse aber den weiten Faltenwurf eines Meisters Fortuny vorzieht.
Auf der Reise durch Landschaften zu den Menschen, die mich erschrecken und faszinieren zugleich, habe ich mich nun für das unstete Leben in einem Circus-wagen entschieden anstelle des gediegenen Komforts meines portugiesischen Hauses, sooo gut zum Zurückziehen so wenig geeignet für die Verzweiflung, die mich auf die Wege der Kreativität schleudert, auf der Suche nach der Wahreit wie Orpheus nach Euridike, wolhlwissend, dass ich sie immer hinter meinem Rücken habe !
Muriel Anastaze, 1993
