REMO KELLER (Milk & Wodka)
THIS IS THE REST, F**** THE BEST

Opening Saturday 24 March 2012 18.00 to 21.00
Exhibition 24 March to 12 May 2012






Remo Keller *1967
Illustration, Installation, Rock'n'Roll


Seit Mitte der 80er Jahre zeichnet, malt, und kreiert Remo Keller seinen Mikrokosmos, bevölkert von wilden Rockmusikerinnen, seltsamen Tieren, beissenden Pflanzen, emsigen Putzfrauen, sadistischen Krankenschwestern, drogensüchtigen Versicherungsvertretern, Engeln und Teufeln, untoten Toten und einigen verqueren Protagonisten unserer Gesellschaft mehr.


Der Stil der Malerei, plakativ, farbig, mit scharfen Konturen und Kontrasten, und die dreidimensionalen Figuren aus Papier, Karton, Pet und Klebeband bewegen sich zwischen Pop-, Trash- und Comic Art.


Keller nimmt die Quersumme und nennt es Bast Art.

Seit 1999 arbeitet er zusammen mit Roman Mäder unter dem Label "Milk and Wodka". Unzählige Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, sowie Publikationen in Unter- und Uebergrundmagazinen, zeugen von der vielseitig, kreativen Produktivität der Künstler.


Seit 1983 spielt Remo Keller als Bassist diverser Punk- und Beatbands. Aktuell mit "Dennerclan"








Rock 'n' Roll auf der Leinwand


Lebhafte Farben zieren die weissen Wände der Galerie Daeppen. Knapp bekleidete Frauen und Skelette tanzen durcheinander. Nebenan eine Leinwand mit knallblauem Himmel, während ein Flugzeug in die Twin Towers in New York fliegt. Ein Hund auf einem Tisch, darunter steht in Grossbuchstaben "In dog we trust" geschrieben: Remo Keller verbindet in seiner Kunst fröhliche Farben mit politischen Themen und feinen Wortspielereien. Die daraus entstehenden Werke zu übersehen, ist unmöglich.


Heute Abend findet in der Galerie mit der grossen Fensterfront die Vernissage von Kellers neuster Ausstellung statt. Der 44-Jährige, für den Arbeit und Freizeit das Gleiche bedeutet, zündet sich eine Zigarette an. Selbst auf den Armen des Mannes mit dem schulterlangen, schwarzen Haar lebt die Kunst: Da sind Tattoos, unter anderem Motive seiner Arbeiten, verewigt. "Das Neuste ist schon fünf Jahre alt. Es wird Zeit, dass ich wieder eines stechen lasse", sagt er zurückhaltend.


Überhaupt ist Kellers Rock-'n'-Roll-Naturell vor allem in seiner Kunst zu sehen: Im Gespräch gibt er sich überraschend ruhig.


Der Kunstschaffende besuchte nach der obligatorischen Schulzeit die Kunstgewerbeschule in Zürich und absolvierte dort den Vorkurs für Gestaltung. "Seit dann mache ich dieses Zeug", sagt er lachend.


Nur keine Rassisten
Als Mitglied einer Punkband in Schaffhausen bagann er mit dem Malen von Flyern und Plakaten und fand so zu seinem heutigen Stil, den er selbst als "Pop-Brut" bezeichnet: irgendwo zwischen Warhols Pop-Art und verrückter Kunst im Stile der Art Brut. Für seine Kunstwerke verwendet der Mann mit den scharzen Haaren diversen Materialien: Mit Acrylfarben malt er auf Papier, Karton, Leinwände oder Holz. "Je nachdem, was gerade vorhanden ist." Wenn Leute seine klar gemalten Bilder mit Comics in Verbindung bringen, dann ist er damit völlig einverstanden. Mit der gleichen Offenheit begegnet er seinem Publikum: "Ich wehre mich gegen diesen Kunstszenenkuchen. Ein superintellektueller Hintergrund ist bei meiner Kunst nicht nötig." Nur Rassisten und Sexisten wolle er nicht als Besucher haben, "aber die gehören sowieso nirgendwo hin".


Die Kunst, Freude zu vermitteln
Nebst der Malerei widmet sich Keller seiner Band DennerClan. Musik und Malerei fliessen bei ihm ineinander. Zusammen mit einem Mitglied aus früheren Bandzeiten, Roman Mäder, hat er 1999 das Künstlerduo Milk & Wodka gegründet und damit auch schon in vielen europäischen Städten ausgestellt. Der Name des Duos ist während einer Bandreise nach Slowenien entstanden. "Dort trinken sie das! Milch und Wodka pur." Mit seinem Leben, bei dem sich alles um Kunst dreht - sei dies nun als bildender Künstler oder als Mitglied einer Band - ist Keller zufrieden. Ironisch fügt er an: "Wenn es noch besser wird, dann ist das natürlich auch gut." Er erhalte viele Angebote, trotzdem müsse er "schon immer aufs Geld schauen".


Eine Botschaft vermitteln will der Künstler nicht unbedingt. "Vor allem möchte ich mit meiner Kunst Freude bereiten." Bei seinen Bildern mit musizierenden Skeletten ist die Assoziation mit dem von Fröhlichkeit dominierten mexikanischen Totenfest "Dia de los muertos" also ziemlich treffend. Der schwarze Humor kommt in Kellers Werken auf jeden Fall nicht zu kurz.


von Mélanie Honegger
in Basellandschafltiche Zeitung, 24. März 2012








Liebe, Musik und Tod
Mit viel schwarzem Humor und einer gesunden Portion Selbstironie handeln die Arbeiten von Amour fou, Mukik, Drogen, dem Leben und dem Tod. Die Bilder sind bevölkert von Freaks und anderem seltsamen Tieren. In einem Panoptikum des Staunens, des Schmunzelns und des Lachens tauchen auch immer wieder scharfte Kommentare zu aktuellen politischen Geschehnissen auf.


in Basler Zeitung, 22. März 2012